Dinner for myself

Sie liegen so verlockend in den Tiefkühlregalen- die schnellen Sattmacher. Es könnte doch alles so einfach sein! Fertigprodukte sparen Zeit und  sollen dadurch den Alltag erleichtern. In unzähligen Varianten sind die ausgefallensten Menüs zu ergattern. So kann zum Beispiel  eine Pizza ebenso rasend schnell auf dem Teller landen wie das Thai Red Curry mit Seelachs.

Gute Gastgeber verzichten auf Tiefkühlkost

frozen-food-1336013_1920Laut einer aktuellen Umfrage durch La Belle Assiette gehört zur „German Geselligkeit“, dass die Gäste keine Konserven oder Tiefkühlprodukte aufgetischt bekommen. Trotz der langen Vor- und Nachbereitungszeit stellen sich 80% der Gastgeber selbst in die Küche.

Aber warum gönnt man sich nicht selbst ein frisch zubereitetes Gericht? Geht es mehr um die respektvolle Anerkennung der eigenen Leistung durch die Freunde oder ist man es sich persönlich einfach nicht wert?

Auch diejenigen, die in einer Großfamilie oder mit „nur“ einem Partner /in unter einem Dach leben, sind hin und wieder allein zu Hause. Da stellt sich die Frage nach dem Aufwand des Selberkochens. Die Entscheidung, welches Menu auf den Tisch kommt, kann man frei und kompromisslos entscheiden. Dabei ist die Versuchung groß, mit einem beherzten Griff in die Tiefkühltruhe einige Arbeitsschritte in der Küche zu überspringen.

Persönliche Wertschätzung

Für sich alleine zu kochen- zahlt sich das aus?

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Ich möchte bekennen, dass ich nur ungern für mich alleine koche. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Essen in Gesellschaft einfach angenehmer und appetitanregend ist. Wenn ich alleine zu Hause bin, versagt mir der Appetit den Dienst. Dadurch ist es noch schwieriger, sich zum Kochen aufzuraffen. Für andere bereite ich liebend gern Speisen zu. Da darf es auch mal richtig ausgefallen und kreativ werden. Vielleicht spielt auch die Vorfreude eine Rolle. Ob man jetzt für den Partner, die Familie oder Freunde kocht, steht am Ende der Arbeit immer ein Zusammensein.

Hier möchte ich der Frage nachgehen, welche Auswirkungen es haben kann, sich selbst mit frisch gekochten Mahlzeiten wertzuschätzen.

In einem Selbsterfahrungs- Test werde ich gewisse Vor- und Nachteile ausfindig machen. Es wird spannend, ob sich der Aufwand lohnen wird, das Essen für mich selbst zuzubereiten (und den Abwasch genauso eigenständig beseitige). Oder wird mich der Genuss komplett entschädigen?

Zum Vergleich werde ich den Einsatz von Fertigprodukten testen. Die vermeintlich einfachere Variante des Kochens wird also dem aufwendigen Selberkochen gegenübergestellt. An zwei Tagen wird selber gekocht und an zwei darauffolgenden Tagen, werde ich mir Fertiggerichte servieren. Dabei werden folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Preis
  • Aufwand
  • Geschmack

Tag eins: Linsensuppe (frisch zubereitet)

Gestartet wird mit einer Linsensuppe. Die einfachste Variante wäre, einfach eine Dose zu öffnen und diese ganz unkompliziert aufzuwärmen. An den ersten beiden Tagen möchte ich jedoch frisch für mich selber kochen. Zugegeben- sich dazu aufzuraffen ist nicht gerade einfach. Einige Argumente sprechen dagegen. Mein innerer Schweinehund zückt diese Argumente wie Waffen gegen meinen Verstand, der beinahe nachzugeben droht:

  1. Du hast doch gar keine Zeit! Du musst noch so viele wichtigere Dinge erledigen!
  2. Lohnt sich der ganze Aufwand denn für dich alleine? Denk daran: Du musst auch selber wieder alles aufräumen- willst du dir DAS wirklich antun?!
  3.  Wenn du dir jetzt einfach eine Konserve aufmachst, kannst du dich nachher noch mit einer Tüte Chips auf dein gemütliches Sofa setzen und verpasst nicht auch noch deine Lieblingsendung!

Trotz der beinahe erdrückenden Argumente will ich stark bleiben. Und so wird diese  Linsensuppe auch richtig aufgepeppt. An Stelle von Würstchen aus der Dose verwende ich frisches Rindfleisch. In einem Punkt mache ich es mir dennoch einfach. Das Einkaufen im Supermarkt wird durch eine Bestellung über einen Onlinesupermarkt getätigt. Dort werden die Zutaten für jedes Rezept portioniert. Das hat den Vorteil, dass ich keine Lebensmittel wegwerfen muss, die übrig bleiben könnten.

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100 g Linsen, rote
75 g Suppengemüse
1/4 Dose Rindfleisch im eigenen Saft, à 400 g
1/4 große Zwiebel(n)
Salz
Kurkumapulver
Chilipulver

 

Tag zwei: krosser Hahn (frisch zubereitet)

Damit ich am zweiten Tag nicht noch einmal eine Linsensuppe essen muss, werde ich die Konservensuppe auf den dritten Tag verlagern. Also geht es weiter mit einem knusprigen Brathähnchen. Eigentlich gibt es diese Exemplare schon fertig mariniert im Tiefkühlregal. Die Konversation meines Schweinehundes mit dem Verstand möchte ich an dieser Stelle doch lieber ersparen.

Ob frisch zubereitet oder im marinierten Zustand handelt es sich in beiden Fällen um einen Tiefkühl-Gockel. Hier wird die Marinade jedoch frisch zubereitet und auf den Hahn gestrichen. Ob sich dieser Aufwand lohnt, wird sich am Ende zeigen. So ganz überzeugt bin ich nicht wirklich. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

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2 TL Paprikapulver, edelsüß
2 TL Salz, evtl. mehr je nach Geschmack
1/2 TL Pfeffer
1 TL Currypulver
1 TL Chiliflocken, (Pul Biber)
1 EL Zitronensaft
5 EL Öl
1 Zehe/n Knoblauch

Tag drei: Linsensuppe (aus der Konserve)

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Nun kommen wir endlich zum angenehmen Teil des Tests. Konserve öffnen- fertig! Das ist doch eigentlich gar kein Problem. Doch irgendetwas stimmt hier nicht in der Kommandozentrale des Stammhirns. Die Erinnerungen an die leckere selbstgemachte Linsensuppe von Tag eins sind noch nicht so ganz verblasst. So spricht nun der Verstand zu dem inneren Schweinehund mit deutlichen Worten:

  1. Willst du das wirklich? Denk doch mal nach! Diese matschige Suppe kann doch gar nicht schmecken.
  2. Die ganzen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker muss ich wirklich nicht haben!
  3. Kochen macht doch auch Spaß. In der Küche kreativ zu werden regt die Gehirnzellen an. Wenn du dich jetzt wieder mit deinen Chips vor den Fernseher setzt, dann streike ich!

Diese Argumente verfehlen jedoch im Dienste für diesen Test ihre Wirkung. Somit wird der Gedanke von Tag eins in die Tat umgesetzt: Dose auf- warm machen- fertig! Beim Öffnen der Dose denke ich mir: „Naja, so richtig lecker riecht es nicht wirklich, aber es sieht gut aus!“ Und nach einem langen Tag kann man sich auch ruhig die Arbeit in der Küche sparen. Vor allen Dingen, wenn niemand sonst zu Hause ist, kann der Abend frei gestaltet werden. Da fällt mir schon etwas Besseres ein, als zu kochen. Wo hatte ich noch gleich die Chips vergraben?

Tag vier: krosser Hahn (Fertiggericht)

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Es ist erstaunlich, wie schnell die Routine einkehrt und der Verstand Ruhe gibt. So wird ohne zu zögern das Tiefkühlfach geöffnet und der frierende Hahn befreit. Und das geht wirklich schnell- Backofen auf, Aluschale samt Inhalt hineingeschoben und das ganze wird auf Temperatur gebracht. Nach gut 20 Minuten kann ich mir meine Mahlzeit ohne viel Mühe servieren. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße: Knusprig nenne ich etwas anderes. Das Fleisch an sich war zart jedoch nicht würzig.

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Fazit

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Deshalb kann ich auch nur aus meiner objektiven Wahrnehmung berichten.

Wie bereits erwähnt, esse ich liebend gerne und genauso gerne koche ich auch. In Gesellschaft schmeckt es mir aber einfach besser. Wenn ich schon keinen Appetit habe, dann besorge ich mir etwas, das sich schnell zubereiten lässt. Damit garantiere ich, dass ich wenigstens etwas halbwegs vernünftiges esse. Wenn man mal Ruhe hat und alleine zu Hause ist, dann haben oftmals viele andere Dinge eine höhere Priorität, als das Kochen.

Dennoch ist es erstaunlich, wie befriedigend ein leckeres Mal sein kann. Es gibt mit Sicherheit Fertiggerichte mit Mehrwert, die auch richtig schmackhaft sein können. Für sich selber zu kochen, bringt dennoch eine andere Form der Wertschätzung mit sich. Sich selber etwas Gutes tun und sich mit leckeren Essen verwöhnen, tut auch der Seele gut. Natürlich bringt dies einen größeren Aufwand mit sich. Für sich alleine zu kochen kann auch Spaß machen. Zum Beispiel kann man viele Rezepte zunächst in Ruhe ausprobieren, bevor sie irgendwann den Gästen serviert werden. Dann steht der Koch nicht unter Druck und entdeckt vielleicht noch andere Variationen.

Wenn es doch einmal schnell gehen muss, dann werde ich mir auch weiterhin ein Schnellgericht gönnen. Das ist noch immer besser, als nichts zu essen…

 

 

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